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Rosakakadu-warum spielt er nicht?
#1
Ich habe ja schon geschildert, wie ich zu unserem Alfons gekommen bin. Jetzt, nach ein paar Wochen und intensiver Beobachtung muß ich gestehen, dass ich einige Unklarheiten habe.
Er ist sehr neugierig, fliegt auch im Zimmer (die Voliere ist den ganzen Tag offen), geht gerne fressen, beobachtet mich, wenn ich Futter bringe, knabbert und probiert auch alles, geht auf dem Boden und frißt.....alles soweit in Ordnung. Aber er ist sehr still, kriegt maximal einmal am Tag seinen Brüllanfall und sitz ansonsten ohne etwas zu zerstören und zu tun und beobachtet mich. Ich habe seine Voliere im Büro zu Hause, bin also den ganzen Tag bei ihm, mal mehr und mal weniger.
Ich versuche, mit ihm zu reden, ihn zu mir zu locken - damit er weiß, dass ich ihm nichts Böses will. Leider kommt er wie eine Furie auf mich zu, wenn ich den Arm auch nur in seine Nähe bringe und andersrum geht er aber oben auf der Voliere ca. 10 cm an meinem Gesicht vorbei.
Er hat auch keinen zerstörerischen Trieb, bekommt zwar mehrmals die Woche neue Äste zum Knabbern (wir haben ein großes Grundstück), ich habe Spielzeug gebastelt....wie interessiere ich ihn mehr und kriege ihn dazu, ein ganz normaler Vogel zu sein?!
Manch einer wäre sicher froh, solch eine ruhige Spezies abbekommen zu haben....
ich wäre dankbar über ein paar Tipps, meist höre ich hier ja von allen Arten von Kakadus, nur nicht von Rosakakadu. Aber alle sind so ganz anders, wie mein Alfons.
Vielen Dank fürs Lesen!

Katrin mit Alfons
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#2
(21.09.2010, 12:24 )Alfons schrieb: Leider kommt er wie eine Furie auf mich zu, wenn ich den Arm auch nur in seine Nähe bringe

Greift er Dich an oder droht er lediglich ?

(21.09.2010, 12:24 )Alfons schrieb: ...maximal einmal am Tag seinen Brüllanfall

Jau, meiner hat den Morgens und Abends für ca. 5 min

(21.09.2010, 12:24 )Alfons schrieb: Er hat auch keinen zerstörerischen Trieb, bekommt zwar mehrmals die Woche neue Äste zum Knabbern (wir haben ein großes Grundstück), ich habe Spielzeug gebastelt....wie interessiere ich ihn mehr und kriege ihn dazu, ein ganz normaler Vogel zu sein?!

Sei doch froh, wenn er lediglich an die Äste geht. Und wie ist das mit dem Spielzeug, spielt er damit ?

Du kannst ja mal versuchen seinen Spieltrieb mit einem "Targetstock" und mit Klickern zu verbessern. Erst mal mit dem Stock (irgendwas aus Holz, wir haben einen Kochlöffel genommen) ihn ein bißchen "ärgern" (also vor den Schnabel halten), damit er in die Spitze hackt oder beißt. Dann kannst Du versuchen ihn mit Hilfe des Stocks zu führen bzw. zu lenken. Wenn er etwas gut gemacht hat, kannst Du klickern und ihm ein Leckerchen geben. Das heißt, Alfons muss seine richtige Aktion, die durch den Targetstock eingeleitet wird mit dem Klickern bzw. der darauffolgenden Belohnung verbinden. Normalerweise haben Papageien daran Interesse und sind auch lernwillig. Allerdings solltest Du es zeitlich nicht so sehr ausdehnen. Bis zu 10 min täglich, das merkst Du meist am Vogel selbst, wann es ihm zuviel wird nd die Konzentration nachlässt.
Ich habe das mit Leo ritualisiert. Eine Trainings- bzw. Spieleinheit wird mit einem zweimaligen Klickern eingeleitet, Leo weiß dann, dass es jetzt losgeht. Dann mache ich mit ihm seine Übungen. Als Belohnung bekommt er dann immer ein kleines Stück von einer Cashew. Die Übungen mache ich solange bis die Cashew weg ist. Das sind in der Regel so 8 bis 10 Einheiten. Wenn die Trainings-, Spielstunde zu Ende ist, bekommt er dann sein Superlekkerli (ein Stück getrocknete Kokusnuss). Dann weiß er auch, dass es sich für diesen Tag erledigt hat. Wir trainieren "Leo komm" (da soll er zu mr kommen), "Leo Käfig" (da soll er in seinen Käfig), "Leo Ring" (da soll er auf seinen Kletterring) und "Leo schieß" (da soll er mir seine Spielholzkugel zuschießen) Ach ja, "Leo Box" (wenn er in seine Transportbox soll) wird noch trainiert.

Mittlerweile klappt das schon ganz prima während der Trainings-/Spieleinheiten. Wenn er aber gemerkt hat, dass Schluss ist, folgt er nicht mehr so gut. Da gibt's nur statt eines Lekkerlis, ein "Fein" und ein paar Krauleinheiten.

Viele Grüße

humboldt
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#3
Hallo,

meine Meinung:
(21.09.2010, 13:39 )humboldt schrieb: Du kannst ja mal versuchen seinen Spieltrieb mit einem "Targetstock" und mit Klickern zu verbessern. Erst mal mit dem Stock (irgendwas aus Holz, wir haben einen Kochlöffel genommen) ihn ein bißchen "ärgern" (also vor den Schnabel halten), damit er in die Spitze hackt oder beißt.

Du solltest deinen Vogel keinesfalls in irgendeiner Form ärgern. Der Vogel soll auch nicht in den Target beißen oder hacken, er soll ihn lediglich berühren.

Wichtig wäre erst mal, Vertrauen aufzubauen, einen sekundären Verstärker zu konditionieren und dann die erwünschten Verhalten zu formen. Dabei solltest du die 10 Regeln des Formens (Shaping) beachten!

(21.09.2010, 13:39 )humboldt schrieb: Wenn er etwas gut gemacht hat, kannst Du klickern und ihm ein Leckerchen geben.

Dazu müsste der Vogel erst mal gelernt haben, was der Clicker bedeutet - dass er der Überbrückungsstimulus ist! Die "gemeinsame Sprache", die man zum Training braucht (damit der Vogel weiß, welches Verhalten erwünscht ist).
Den Clicker selbst benutzen wir nicht als sekundären Verstärker, weil ich ihn nicht ständig bei mir habe und aus vielen anderen Gründen mehr!


(21.09.2010, 13:39 )humboldt schrieb: Als Belohnung bekommt er dann immer ein kleines Stück von einer Cashew. Die Übungen mache ich solange bis die Cashew weg ist.
Das sind in der Regel so 8 bis 10 Einheiten. Wenn die Trainings-, Spielstunde zu Ende ist, bekommt er dann sein Superlekkerli (ein Stück getrocknete Kokusnuss). Dann weiß er auch, dass es sich für diesen Tag erledigt hat. Wir trainieren "Leo komm" (da soll er zu mr kommen), "Leo Käfig" (da soll er in seinen Käfig), "Leo Ring" (da soll er auf seinen Kletterring) und "Leo schieß" (da soll er mir seine Spielholzkugel zuschießen) Ach ja, "Leo Box" (wenn er in seine Transportbox soll) wird noch trainiert. Mittlerweile klappt das schon ganz prima während der Trainings-/Spieleinheiten.

Auch dazu könnte ich noch vieles anmerken, möchte dich, humboldt, aber in deinen Bemühungen um ein stressfreies Leben deines Kakadus nicht entmutigen. Ich denke er liebt die Einheiten, wenn du dich mit ihm beschäftigst, weil seine Intelligenz gefordert wird und es den Kakadus Spaß macht, wenn sie gelobt werden. Lob motiviert, Tadel oder Kritik frustrieren und entmutigen.

(21.09.2010, 13:39 )humboldt schrieb: Wenn er aber gemerkt hat, dass Schluss ist, folgt er nicht mehr so gut. Da gibt's nur statt eines Lekkerlis, ein "Fein" und ein paar Krauleinheiten.

Eigentlich soll das Verhalten ja generalisiert werden - du wärest ja auch nicht zufrieden, wenn dein Hund in einer Trainingseinheit auf Zuruf sofort kommt, Sitz, Platz oder bleib macht ----- und am Rest des Tages Radfahrer vom Rad schmeißt, kleine Kinder vom Nachttopf schubst, den Sonntagsbraten vom Tisch holt (bevor ihr essen konntet), oder den Briefträger ins Bein beißt!

Zurück zum Thema:
@ Alfons:
Warum bringst du den Arm in seine Nähe? Was möchtest du erreichen? Soll er aufsteigen? In welcher Form bringst du den Arm in seine Nähe (hältst du ihm den Oberarm hin oder den Unterarm?)?
Welches Verhalten möchtest du bei deinem Vogel erreichen?

Viele Grüße
Susanne
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#4
Wow, also ich versuche es mal kurz:

ich versuche, irgendwie Körperkontakt zu ihm aufzubauen, er greift mich nicht an, er faucht nur, aber der Kopf ruckt gewaltig schnell nach vorne. Ich halte den Unterarm hin, einfach langsam, und dann hoffe ich - dass er aufsteigt oder was anderes zuläßt. Nur eben soll er wissen, dass ich keine Bedrohung bin. Wenn ich ihm Futter in die Voliere mache (ich könnte auch von außen) versuche es aber eben auch so, läßt er mich ohne Fauchen gewähren. Ich weiß ja leider auch nicht, was in seinem Vorleben passiert ist und muß nun alles mühselig rausfinden, was er kann, mag usw. Jedenfall mag er meinen Arm nicht, meine Schulter attakiert er wiederum nicht, steigt aber auch nicht auf oder so.
Er beobachtet sehr viel - nur kann ich oft nichts ableiten, eigentlich fast gar nicht. Ob ich das Geklicker (ich weiß gar nicht, was das ist, sorry) anwenden kann, denke ich vorerst nicht, da er auf alles nur beobachtend reagiert. Er scheint schon nicht dumm, manchmal kommt es mir so vor, als müßte ich nur ein Zauberwort sagen oder eine bestimmt Geste machen. Als warte er auf etwas....vielleicht braucht er echt nur einfach noch mehr Zeit.

Ich habe gefragt, weil man eben immer wieder von Zerstörerwut hört und man solle die Kakadus nicht soviel in der Wohnung fliegen lassen...und ich habe so ein ruhiges Exemplar. Das ist halt komisch.

Spielzeug habe ich, keine Glöckchen, eine Schaukel aus Holz hat er, Seile in der Voliere, ganz viele Äste innen und außen...und wie gesagt, mein ganzes Büro steht im offen.

Wenn ich lange auf der Tastatur hämmere, so wie jetzt, sitzt er in meinem Rücken und knackert mit seinem Schnabel vor sich hin und schaut ab und an an mir vorbei, was ich mache.

Schade, dass ich keinen Kontakt mit seinem Vorbesitzer aufnehmen darf, sonst wäre vieles einfacher.

Danke fürs Lesen, Katrin
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#5
Das "Geklicker", was Du nicht kennst, ist so ein Knackfrosch, den Du vielleicht vom Jahrmarkt kennst.

@Susanne
ich mache sicherlich nicht Alles richtig und kenn auch nicht die richtgen Ausdrücke, wie "shaping", aber gundsätzlich funktioniert das Training.
Ich bin aber begeistert über Deine Ratschläge und werde versuchen sie zu beherzigen.

Danke

humboldt
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#6
Ich habe das berühren des Targets wie folgt beigebracht - Du findest den Wohlfühlabstand zu Dir heraus, sprich wenn der Vogel noch entspannt sitzt und Dich interesiert beobachtet.
Dann zeigst Du den Target, aber bitte nicht damit in Richtung Vogel bewegen.
Der Vogel schaut den Target an - click- Leckerchen.
Das machst Du solange bis der Vogel auf den Target zukommt - click - Jackpot (besonders beliebtes Leckerchen).
Eines Tages wird der Vogel dann von selbst den Target berühren, was Du natürlich mit viel Trara belohnst.

Das kann sehr schnell gehen, schwerer wird es vieleicht je nach Charakter des Vogels das er dem Target sicher vertraut und nachläuft. Darauf baut sich dann die Übung "auf den Arm" auf.

Ich empfehle Dir das Buch von Ann Castro - die Vogelschule http://www.amazon.de/Die-Vogelschule-Cli...3000174389

Sie beschreibt auch super das Training mit Vögeln die keine Menschliche Nähe dulden.
"Was können die denn" ??
Ist oftmals alles was manchen Menschen zu Papageien einfällt Genervt
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#7
Hallo,

(21.09.2010, 22:39 )humboldt schrieb: @Susanne
ich mache sicherlich nicht Alles richtig und kenn auch nicht die richtgen Ausdrücke, wie "shaping", aber gundsätzlich funktioniert das Training.
Ich bin aber begeistert über Deine Ratschläge und werde versuchen sie zu beherzigen.

Danke für dein Lob! Wir haben auch im Laufe der letzten 24 Jahre vieles dazu gelernt, besonders seit sehr viele Papageien hier wohnen, von denen einige schwer verhaltensgestört hier ankamen. Da kommt man nur mit Training weiter, wenn sie stressfrei bei uns leben sollen. Ich gebe meine "Ratschläge" daher gerne weiter, wenn es dabei hilft, dass Papageien keine unerwünschten Verhalten (schreien, beißen, rupfen) erlernen und in individuell betreuten Privathaltungen auf Dauer leben können. Allwissend bin ich auch nicht und lerne jeden Tag dazu!

(22.09.2010, 13:45 )Kuerbis schrieb: Ich empfehle Dir das Buch von Ann Castro - die Vogelschule http://www.amazon.de/Die-Vogelschule-Cli...3000174389

Sie beschreibt auch super das Training mit Vögeln die keine Menschliche Nähe dulden.

Von der Sorte wohnen hier viele - da das Clickern und das Targettraining und was es dazu anzumerken gilt aber eher in dieses Thema gehört (Klick mal!),
zitiere ich da mal einen Teil der Beiträge mit meinen Tipps zum Targettraining.

Viele Grüße
Susanne
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#8
Das ist allerdings noch besser Zwink
"Was können die denn" ??
Ist oftmals alles was manchen Menschen zu Papageien einfällt Genervt
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#9
Oh danke, das ist jetzt aber eine Fülle an Material. Ich wusel mich da mal durch.
Danke für die Hilfe.

Katrin
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