16.07.2006, 22:12
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.07.2006, 22:16 von Thomas B.-Tierheilpraktiker.)
Gitti schrieb:Bei Kakadus erkennt man relativ schnell, ob sie sich vertragen, bei mir gab es immer nur
- sofortige Symphatie (mit Interaktion miteinander)
- sofortige Akzeptanz (oder einfach Toleranz/Ignoranz)
- sofortige sichtbare Antipathie (teilweise sofort aggressiv)
Ursula schrieb:ja Gitti du hast Recht, aber die Unberechenbarkeit bleibt.Ich werde Euch mal von unseren beiden Paaren erzählen:
....
Vielleicht ist es aber doch leichter, erwachsene Tiere zu verpaaren?
Zuerst Elise und Ricki, jetzt Daisy und Raku.
Zu Anfang (vor 24 Jahren) - wir waren damals "Papageienanfänger - hielten wir wie viele Leute eine einzelne Weißhaubenkakadudame, einen Wildfang, aber sehr zahm. Als die mit ca. 3 Jahren anfing, sich zu rupfen und viel zu schreien, war unser Erkenntnisprozeß so weit gediehen, daß wir sie verpaaren wollten. Wir hatten von einer Bekannten gehört, daß sich dort ein Weißhaubenkakadupaar nicht mehr verstand. Nein, nicht wie Ihr jetzt denkt. Der Hahn war nicht aggressiv geworden. Er war im Gegenteil total von seiner Henne unterdrückt und "verstoßen" worden, nachdem diese sich in eine "Urlaubsbekanntschaft", einen schmucken, aber etwas drögen Schönling von Molukkenhahn verguckt hatte. Fortan jagte sie ihren bisherigen Partner, Ricki, den WHK-Hahn, durch den Käfig. Die beiden mußten getrennt werden und die dominante Weißhauben-Lady wurde mit ihrem neuen Schwarm, dem Molukkenhahn, verpaart, den sie anhimmelte. Ihr bisheriger Partner war nun wieder Junggeselle, und wir beschlossen, einen Verpaarungsversuch mit unserer WHK-Dame, für die wir ja einen Partner suchten, zu machen. Wir besuchten also mit unserer Elise die Bekannte, und sie wurde dort auf einen Kletterbaum gesetzt. Der verlassene Weißhaubenhahn wurde freigelassen, und wir saßen still da, um abzuwarten, wie sie sich verstehen würden. Es schien nach einer Stunde Unentschlossenheit "Liebe auf den ersten Blick" - schon bald saßen sie nebeneinander und kraulten sich. Wir nahmen Ricki also mit und sezten ihn schon bald mit unserer Elise zusammen. Es war ein sehr harmonisches Paar, beide Vögel waren geschlechtsreif. Das einzige, was uns auffiel war, daß er sie manchmal, wenn es was besonders Leckeres gab, nicht an den Futternapf ließ, bis er sich vollgefressen hatte. Naja dachten wir, kein schöner Zug, aber ihr scheint es ja nichts auszumachen, so ist die Hackordnung nun mal bei dem Geflügel. So ging es lange Zeit gut, sie verstanden sich prima, sie (Elise) blieb trotzdem zahm, und er (Ricki), der schon durch mehrere Hände gegangen war und schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte, blieb ein scheuer Schisser. Sie hingen aber sehr aneinander, und wenn er sie mal für ein paar Minuten nicht sah, etwa, weil sie bei uns war, kreischte er sich die Seele aus dem Leib und sie wurde dann auch unruhig und wollte zu ihm zurück. Irgendwann, nach einigen Jahren, machten wir dann den entscheidenden Fehler: Wir hingen einen Nistkasten in die Voliere. Wenige Tage später hatte Daisy, als wir aus dem Kino zurück waren, ein Loch im Kopf und mußte notoperiert werden. Fortan konnten wir sie nur noch unter Aufsicht zusammenlassen. Wenn wir weggingen, wurden sie in zwei verschiedenen Volieren gesetzt. Sobald wir zu Hause waren, ließen wir sie, die beide schon sehnsüchtig darauf warteten, zusammen. Seit dem Vorfall hatte sie zu bestimmten Zeiten Angst vor ihm, dann kreischte sie vor Angst und wir trennten sie für eine Weile. Zu anderen Zeiten waren sie wieder das reinste Liebespaar, ein Herz und eine Seele. Wir lernten, ihm auch schon an einem Flackern in den Augen anzusehen, wenn er einen Aggressionsanfall bekam - es war, als ob man plötzlich einen Schalter umlegte, wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde. So ging das jahrelang - große Liebe im Wechsel mit Aggressionsanfällen seinerseits und panischer Angst ihrerseits (obwohl wir den Nistkasten nach dem ersten Vorfall sofort wieder entfernt hatten). Trennte man sie, gab es bald von beiden mörderisches Geschrei, weil sie wieder zusammenwollten.
Wahrscheinlich spielte der Streß durch die Gefühlswechselbäder eine Rolle - irgendwann begann sie, unverdaute Körner auszuscheiden und den ganzen Tag ununterbrochen zu fressen und dabei beständig abzumagern. Die Kontrastmittelröntgenaufnahme brachte die klare Diagnose: Stark erweiterter Drüsenmagen, viele Steine im Muskelmagen, PDD. Er muß auch längst infiziert gewesen sein, zeigte aber zunächst keinerlei Symptome. Sie hielt sich aber erstaunlich lange - ernährte sich zum Schluß fast nur noch von Weintrauben und extrem fettreichen Nüssen, die sie noch etwas verdauen konnte und die ihr noch etwas Energie gaben.
Eines Tages, ohne jede Vorwarnung, fiel er von der Stange mit grauenhaften epileptischen Krämpfen und starb innerhalb von 3 Tagen. Die Autopsie ergab eine nicht-bakterielle Hirnhautentzündung. Heute weiß man, daß das PDD-Virus auch die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen und solche untypischen Verlaufsformen ohne Magen-Darm-Symptomatik und stattdessen mit ausschließlich neurologischer Symptomatik erzeugen kann. Seinen Tod hat sie dann aber nicht mehr verwunden, er raubte ihr die letzte Lebenskraft, daß sie in der Folge sehr schnell ganz stark abbaute und sich am Ende nicht einmal mehr auf unserer Schulter halten konnte. Da haben wir sie dann erlösen lassen - unsere erste Kakadudame Elise, wir werden sie nie vergessen.
Diese Dinge waren übrigens für mich der Anstoß, mich mit Vogelmedizin und alternativen Heilweisen zu beschäftigen - ich denke manchmal, hätte ich doch nur schon früher damit begonnen, vielleicht hätte ich den beiden dann doch noch helfen können. Die Schulmedizin ist ja bis heute machtlos, aber für den Homöopahen gibt es keine "unheilbaren Krankheiten".
Das war vor ca. 11 Jahren.
Vor etwa 10 Jahren schafften wir unsere jetzigen Weißhaubenkakadus, Daisy und Raku, an. Es waren Handaufzuchten vom Züchter, F-2-Generation, Nestgeschwister, geschlüpft im Abstand von 3 Tagen, zusammen aufgezogen und aufgewachsen. Sie harmonieren nach wie vor sehr gut, schlafen jede Nacht eng zusammengekuschelt, fressen gleichzeitig aus einem Napf und trinken aus einer Tasse, spielen miteinander, streiten und lieben sich, schöner kann man es sich eigentlich nicht wünschen. Raku ist erheblich größer und stärker, aber Daisy setzt sich oft gegen ihn (bei Streit um Spielzeug) mit mentaler Stärke, Entschlossenheit und Geschrei durch. Die Beziehung erscheint ausgeglichen, aber wenn jemand dominanter ist, dann eher sie, die "große Schwester". Das einzige "Problem": Daisy hat offensichtlich unbefriedigten Bruttrieb, sucht sich überall "Eierecken" und rupft sich steckenweise etwas (mal mehr, mal weniger) - angefangen hat es vor Jahren, als Raku wegen eines Fremdkörpergranuloms an der Speiseröhre mal operiert werden mußte (es war eine extreme Risikooperation, weil das Granulom an der vena jugularis, der großen Halsvene, festgewachsen war) und sie daher eine Zeit lang getrennt werden mußten, damit sie ihm nicht die Fäden zieht. Die zeitweise Trennung und auch unsre Angst und Sorge um Raku, die sich auf Daisy übertragen haben, waren ganz gewiß der Auslöser.
Ich glaube aber auch, daß der unbefriedigte Bruttrieb mit eine Rolle spielt. Wir sind aber durch das "Schlüsselerlebnis Nistkastenfolgen" von unserem ersten Paar so traumatisiert, daß wir dem Frieden doch nicht trauen und ihnen keinen Nistkasten reinhängen, zumal wir ja auch keinen Nachwuchs züchten wollen. Aber "artgemäß" ist die Haltung ohne Möglichkeit, dem Bruttrieb nachgehen zu können, natürlich auch nicht.
Facit:
Es gibt immer große Unsicherheitsfaktoren.
Es kann spontane Sympathie geben und jahrelang gutgehen, und doch später ganz plötzlich erhebliche Aggressionsprobleme - eine richtige Haßliebe.
Verpaarung erwachsener Vögel kann auch schief gehen, und Geschwister können sich hervorragend verstehen (was oft bestritten wird).
Es ist fast unmöglich, Kakadus in Gefangenschaft wirklich artgerecht zu halten.
Man muß froh und glücklich über jedes Jahr, jede Woche und jeden Tag sein, in denen alles glatt läuft. Ein Rest Unsicherheit bleibt immer.
Liebe Grüße,
Thomas
Liebe Grüße,
Thomas Braunsdorf
Tierheilpraktiker (Tätigkeitsschwerpunkt Papageien)
Lebensenergieberater Tier
Verhaltensberater Papageien
Thomas Braunsdorf
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