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Zurück vom Frei-Flug-Seminar in Frankreich!
#3
Hi,

nein, es ging hier nicht darum, mit Papageien Einkaufen zu gehen oder sie zum Bäcker zu schicken, um die Brötchen zu holen (wenn auch mancher evtl. aus diesem Grund dieses Seminar besucht haben sollte).

Ein großer Teil des Seminars bestand darin zu erlernen, das Vertrauen der Papageien soweit aufzubauen, daß man sie eben gut handeln kann, ohne Stress oder gar Gewalt (Gewalt jetzt auch mal als Zwang gesehen) und daß sie sogar meist erst Interesse und dann Spass an der Sache haben sollen. Ist das Vertrauen in den oder die Halter dann mal gefestigt, kann man es sogar soweit ausbauen, daß man sie auf den freien Flug draußen "trainieren" kann und sie auch auf Kommando zurückkommen (gut, das wäre ein Schritt, vor dem ich selbst sicher zurückschrecken würde, es sei denn ein Rückruf klappt in 100 Fällen auch zu 100 % - aber soweit bin ich ja noch lange nicht).

Für mich interessant war, daß meine eigenen Erfahrungen, die ich all über die Jahre gemacht habe, mit vielen Rückschlägen und dennoch irgendwann von Erfolg gekrönt, sich bestätigt haben: man muss unbedingt die Körpersprache eines Papageis "lesen" können und ihn bdaher so richtig "studieren" - viele Körpersignale sind gleich, jedoch reagiert nicht jeder Papagei entsprechend auf die "Auslöser"! Viele Papageien haben eine teilweise unbekannte Vorgeschichte und manche "normale" Situation kann, auch für den erfahrenen Papageienhalter, eine total unerwartete Reaktion auslösen. Und umgekehrt!

Geduld, Geduld, Geduld - aber worin besteht diese Geduld? Geduld zu beschreiben ist schwierig, weil wir vielleicht oftmals die kleinen Fortschritte nicht erkennen? Oder weil wir (auch ich) oftmals denken, es müsse alles schneller gehen? Ein armer Papagei, der nicht aus dem kleinen Käfig kommen will, ist doch Tierquälerei! NEIN, wenn ER nicht will, weil er noch nicht dazu bereit ist, ist ok. Irgendwann wird er kommen, man muss halt nur die richtige Geduld aufbringen und ihn evtl. geduldig darauf vorbereiten, ihn animieren, aber niemals unter Zwangsausübung!

Ich sagte ja schon zuvor, ich war fasziniert, wie die beiden Amazonen in den paar Tagen ihre Besitzer als Lügner hinstellten - der eine liebte plötzlich auch Frauen, der andere ging plötzlich anstatt nur Stock auch auf den Arm oder gar Hand. Wenn ich es nicht selbst gesehen und erlebt hätte, würde ich's nicht glauben! Denn eines wurde mir wieder bestätigt: Papageien sind neugierig, aber auch vorsichtig, je mehr man sie bedrängt, desto größer wird ihre Vorsicht, je mehr man ihnen die Wahl läßt (z.B. auf einen Arm anstatt Stock zu steigen), desto erfolgreicher ist man damit und auch dazu braucht man ganz einfach Geduld! Immer wieder anbieten, reagiert er nicht innerhalb von wenigen Sekunden, Arm wieder weg und ein paar Minuten einfach mal wieder nachfragen und evtl. mit einem Leckerchen locken. Und wenn er nur das Füßchen in Richtung Arm bewegt, ist das schon der erste Erfolg und er wird weiter vorangehen, wenn man dann nicht die Geduld verliert und ihn in irgendeiner Form bedrängt. Irgendwann wird das Handaufsteigen zum Automatismus - sie steigen ganz selbstverständlich auf und genauso funktioniert es mit allen "Kommandos", wenn man die Geduld aufbringt, es langsam und geduldig immer wieder zu üben.

Ebenso wurde erläutert, wie man Beissen und Schreien "umpolen" kann, nur, das muss ich mir noch mal ganz langsam durch den Kopf gehen lassen (sacken lassen), um das genauer zu erklären (Erklärungen sind ja auch nicht ganz so einfach pauschal abzugeben), aber auch hier ist viel Geduld erforderlich.

Was mir auch gut gefallen hat, gerade zum Thema Beissen und Schreien, daß Prof.Dr.Susan Friedman diese Untugend nicht einfach "per Klick" (Clickern war nur mal so 5 Minuten am Rande ein Thema) auslöscht, sondern sehr wohl darauf hingewiesen hat, daß dieses Verhalten dem Halter ein Signal gibt, wobei man ebenso auch die Ursache (=Auslöser) ergründen und "auf Normalmaß" bringen sollte. Man kann einem Papagei, der vor Langeweile schreit, das Schreien "abgewöhnen", indem man ihn lernt, ein anderes Signal zu benutzen (z.B. das Läuten einer Glocke), aber dennoch darf man den Auslöser, also die Langeweile, nicht "unbearbeitet" lassen. Und anfangs muss man wirklich reagieren, wenn er, anstatt zu Schreien die Glocke läutet. Denn auch wir müssen lernen, die Sprache und die Wünsche, die Ängste und Sorgen unserer Papageien zu verstehen.
Liebe Grüße
Gitti
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RE: Zurück vom Frei-Flug-Seminar in Frankreich! - von Gitti - 15.05.2007, 21:08

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