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Verpaarung von zwei Handaufzuchten
#1
Moin,

die Diskussionen um Handaufzuchten haben mich dazu gebracht, einfach mal zu schreiben, wie das hier bei uns abgelaufen ist.

Ich fang einfach mal ganz vorne an:

Kapitel 1: Tina...

Es begab sich zu einer Zeit, als die beste aller Frauen anfing, sich ernsthaft für Kakadus zu interessieren und plötzlich einen „eigenen“ haben wollte.
Dieser sollte recht groß zum anfassen sein und lieb und ….eben weiß.
Ihre Vorauswahl fiel dabei recht schnell auf die Weißhauben.
Alle Versuche, sie von der Idee abzubringen, fruchteten nichts, also wurde gegen meinen Willen
(also unter Protest meinerseits, wirkliche Gegenwehr habe ich zugegebenerweise nicht geleistet Zwink )
ein handaufgezogener Weißhaubenhahn im Handel gekauft.

Dieser hieß Timo und war vergleichsweise günstig, da er ein „Umtauschvogel“ war.
Als Grund für die Rückgabe wurde eine Disharmonie mit der dazugesetzten Henne angegeben.

Nachdem ich zuhause den frisch gekauften Käfig zusammengeschraubt hatte, hatte ich erstmals Zeit, mir den Vogel in richtigem (Sonnen-)Licht anzuschauen......

ich musste grinsen und meinte: Das is ne Henne!

Frau schaut fragend, ich zeig ihr die Augen, sie sieht nix.
Hab ihr dann erklärt, daß man im Sonnenlicht nen gaaaaanz schmalen orangenen Ring sieht......
sie sieht immer noch nix.

Der von ihr angerufene Händler schwor allerdings Stein und Bein, daß es sich um einen Hahn handelt.
War mir doch egal, ich hab nur weiter gegrinst und gesagt, daß ich Stein und Bein schwör, daß es ne Henne ist.

Meine Bedingung für den Kauf eines Vogels war allerdings vorher schon, daß nach einer angemessenen Zeit ein passender Partner dazu gesetzt wird.

Also wurde nach einiger Zeit eine Geschlechtsbestimmung gemacht (war ja eigentlich nich nötig, der Händler hatte doch gesagt, daß es n Hahn ist), eine Woche später war das Ergebnis da und siehe da....Timo war Tina bodenlach .
...
Alles sagten, das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht. (Hilbert Meyer)
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#2
Kapitel 2: Willis Ankunft

Nun ging die Suche nach einem passenden Hahn los, aus meiner Sicht vorzugsweise Naturbrut
(man hatte ja so viel gelesen über gestörte Handaufzuchthähne, da konnte ja wer weiß was passieren),
Frau wollte noch eine HZ (die sind doch so einfach zu erziehen und kuschelig und so).

Ich habe dann meiner Frau nachgegeben, nicht zuletzt deshalb, weil wir einfach keine Naturbrut gefunden haben (die normative Kraft des Faktischen eben Zwink ).

So kam der stolze Willi zu uns........ömm Moment ..... stolz war da man gar nichts

Ich musste an dem Tag arbeiten, also hat Eva den Vogel vormittags abgeholt und ich hab ihn dann nachmittags das erste mal gesehen.

5 Monate alt und Hahn, das war alles was ich vorher an Info hatte.
Das Tier, das da vor mir saß, war eben recht groß für das Alter (ich hatte eben noch nie so einen jungen Weißhauben gesehen, heute sehe ich das anders) ….
und dann kam für mich wirklich ein Schock:
der konnte nicht mal auf einer Stange sitzen, nicht richtig laufen und schon gar nicht fliegen....eigentlich nur unbeholfen hoppeln.

Seine zukünftige Braut sah er als großes weißes Monster an und wenn die sich ihm zu weit näherte, hoppelte er quiekend und schreiend zu meiner Frau.

Als Behausung dienten zu der Zeit 2 aneinander geschraubte Montanaplagiate, wo zuerst noch die eine Seitenwand als Trennwand belassen wurde.
Wenn die beiden abends in ihre Käfige mussten, saß sie gewöhnlich irgendwo in ihrem, egal wo,
er saß in der Ecke seines Käfigs, die am weitesten von ihr entfernt war.

Jegliche Näherung ihrerseits wurde mit panischen Geschrei gekontert, so daß sie auch irgendwann auf Abstand ging.

Tagsüber gelüstete es den neuen Herrn nach menschlicher Nähe und er hat seinen Wünschen lautstark Nachdruck verliehen.
Nach einer kurzen Zeit des Trainings
(also meine Frau trainieren, daß sie nich jedes mal gleich hinrennt heimlichlach ),
hat er eingesehen, daß wir kamen, wann wir wollen.
Da das aber über den Tag oft genug war und abends immer die komplette Zeit bis zum schlafen gehen, war das wohl ein Kompromiss, den er akzeptieren konnte.

...
Alles sagten, das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht. (Hilbert Meyer)
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#3
Kapitel 3: erste Annäherung

Nur war da noch dieses Problem.....er wollte zum Verrecken nichts mit anderen Kakadus zu tun haben, selbst uralte, winzige Goffins waren mörderische Monster!

Da er furchtbar auf meine Frau fixiert war, musste sie eben diesen Part übernehmen,
also abends bei den Krauleinheiten einfach beide gepackt, mit Abstand auf den Schoß gesetzt und gekrault.

Tina fands klasse, Willi eher nicht.

Dabei hat meine Frau die beiden eben immer so weit zusammengeschoben, bis sie merkte, daß es ihm zu unangenehm wurde...leicht zurück und dann kraulen.
Nach einiger Zeit (gemessen in Wochen) saßen die beiden eben nebeneinander und Tina fing einfach an, ihn ganz unauffällig mitzukraulen und zu putzen.
Als er das das erste Mal bemerkte, bekam er noch mal Panik, war aber wohl doch nicht sooooo unangenehm .... zumindest kam er zurück Pfeif.

Widerum einige Zeit später hat ers dann auch versucht …. Tina hat öfters mal gequiekt, er war eben noch etwas unerfahren und sie ist sowieso eine Mimose Psst-geheim.

Das war dann eben die Zeit, wo ich die Zwischenwand von den Käfigen entfernt habe und die beiden erstmals schön zusammen geschlafen haben.
Es war aber auch die Zeit, wo es hier ruhiger und viel entspannter für die menschlichen Bewohner wurde, da beide Vögel viel miteinander zu tun hatten.
Nicht, daß sie nicht mehr ihre Krauleinheiten eingefordert hätten, das tun sie heute noch, aber wir waren eben nicht mehr die Zeitvertreiber vom Dienst.

...
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#4
Kapitel 4: Pubertät und erfolgreich vergesellschaftet

Natürlich kam die Zeit, wo Willi dann der starke Hahn wurde, er hatte vor nichts Angst und die Macht war mit ihm …..
bis er eben der Goffinzicke begegnete und sie ihm erst mal ne Schwanzfeder geruppt hat, weil er frech war, da war die Macht eben schnell wieder weg Aetsch .

Mit mir hat er auch gern Imponierspiele getrieben, ich hab auch brav mitgemacht …. irgendwie war ich wohl imposanter, er hat immer nachgegeben, „Hallo“ gesagt und wollte plötzlich schmusen.

Zu der Zeit hat er auch Tina gejagt, also er ist hinter ihr her und sie hat geqiekt, bevor er überhaupt da war,
allerdings war die Jagd immer dann zu Ende, wenn kein Mensch aufs Quieken reagierte (oder eben mit: Hör auf, verar.... kann ich mich alleine) und sie es langweilig fand.
Dann bleib sie einfach sitzen, Willi machte noch mal den lauten, setzte sich daneben und ließ sich kraulen.

Als die beiden dann in ihre neue (größere) Voliere im eigenen Zimmer kamen und nun mal ständig richtig Platz hatten, wurde es noch eine Stufe entspannter für alle, Wohnzimmer war plötzlich relativ sauber, die Vögel wurden noch ruhiger und auch die Anzahl der Verwüstungen in der Wohnung ließ schlagartig nach heimlichlach .

Interessanterweise wurde auch der Gast-/Urlaubsvogel, ein älterer Gelbhaubenhahn einwandfrei akzeptiert, mitgeputzt, am Napf geduldet usw.
Allerdings hatte dieser Wildfanghahn trotz gleicher Größe auch mächtig Respekt vor Willi, so daß dieser seine Herrschaft nicht weiter behaupten musste.

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Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht. (Hilbert Meyer)
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#5
Letzter Teil: Verpaart

Die beiden hatten schon immer Naturstammhöhlen zum Spielen, genau dazu haben sie die auch benutzt, geschlafen wurde draußen.

Als Willi 3 Jahre alt wurde, fing Tina an, Holzklötze in die kleinere Höhle zu schleppen und da zu Spänen zu verarbeiten.
Als sie ihrer Ansicht nach so weit fertig war mit Möblierung, ging sie zum armen Willi und versuchte ihm beizubringen, wie das mit den Bienchen und den Blümchen funktioniert....der arme Kerl wusste gar nicht, wie ihm geschah bodenlach .

Ergebnis war, daß nach einiger Zeit 2 unbefruchtete Eier im Nest lagen und die Handaufzuchteltern gebrütet haben, als hätten sie nie was anderes gemacht.

Als wir nach 30 Tagen die Eier entfernt haben, wurde das zur Kenntnis genommen (in die Höhle gucken, aha weg, dann eben fressen gehen) und das Leben ging weiter wie vorher.
(kleiner Zusatz: zu dieser Brutzeit war der Gastvogel auch einen Tag da, der durfte mal gar nicht in die Nähe der Voliere, da wurde Willi zum wütenden Monster Eek2 )


Ein halbes Jahr später kam das zweite Gelege, also Willi war ca. 3,5, so gingen wir davon aus, daß auch dieses Gelege unbefruchtet sei...

aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, wir durften mal eben den Sachkundenachweis machen und eine Zuchtgenehmigung beantragen (also nicht, daß uns das gestört hätte, kam aber dann doch eben etwas plötzlich).

Nun sind wir bei der zweiten Brut und die beiden Eltern versorgen ihre 3 Kleinen vorbildlich.

Fazit: es kostet Zeit, Nerven, Schweiß, Möbel, Elektrogeräte und manchmal auch n bisserl (immer menschliches) Blut,
das meiste davon aus eigener Schuld....
aber es macht auch wirklich Spaß, so was miterleben zu können und nachher mit dem Ergebnis seiner Bemühungen zufrieden sein zu können.

Ich gebe auch gerne zu, daß ich lange die gängigen Vorurteile gegen Handaufzuchten gepflegt habe und das, was hier die ganze Zeit abläuft als unmöglich bezeichnet hätte, obwohl sich mein Handaufzuchtgoffin auch nicht unnatürlich verhalten hat.

Ich gebe auch gerne zu, daß ich mit dieser Entwicklung nicht gerechnet habe, als wir Tina gekauft haben.

Aber nicht ein einziges dieser Vorurteile gegen Handaufzuchten war zutreffend und ich kenne tatsächlich Naturbrutpaare, die bei weitem nicht so gut brüten und pflegen wie unsere beiden Handaufzuchten.

So sah ich mich gezwungen, meine Meinung, die ich auch viele Jahre lang vertreten habe, doch irgendwie zu revidieren (nicht zuletzt dank meiner Frau, die mich zu den beiden handaufgezogenen Vögeln „gezwungen“ hat).

Grüssle aus dem Pott
Alles sagten, das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht. (Hilbert Meyer)
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#6
Wunderbar geschrieben...wie immer....

Ich bin nach wie vor der Überzeugeung das Tiere, egal welche, einen natürlichen Instinkt haben. Ich denke nicht das du dem Willi vorgemacht hast wie es geht und Tina kann sehr wohl zeigen was sie will aber eben aus der Sicht der Henne....
Ob das nun die Paarung ist oder sonst was. Ein Wildtier, acuh die zahmen in Zoos oder Zirkus haben einen Instinkt.
Ohne etwas lernen zu müssen oder abschauen. Na ja, lernen vielleicht schon, dein Willi brauchte ja auch einen 2. Anlauf...grins....



Ich finde es auch nicht ok, wenn man ein Jungtier den Eltern wegnimmt egal in welcher Woche nur zugunsten des egoistischen Menschen.
Ein Tier sollte nur dann von Mensch aufgezogen werden wenn die Eltern nicht können. Und nicht weil man einen zahmen Vogel will oder Hund oder Katze oder wie auch immer.

Würde gerne mal hören wenn man das bei Menschen machen würden...hui hui hui.....

Wie gesagt: meine Meinung.
Grüessli Et, Floh, Wendi,Bandit,Sina, Snowi und Noelle

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#7
(18.07.2010, 17:17 )NoelleRo schrieb: ....
Ohne etwas lernen zu müssen oder abschauen. Na ja, lernen vielleicht schon, dein Willi brauchte ja auch einen 2. Anlauf...grins....

Der erste Anlauf ist wahrscheinlich aufgrund körperlichen Unvermögens nicht erfolgreich gewesen, da war er ja noch viel zu jung Zwink

(18.07.2010, 17:17 )NoelleRo schrieb: Ich finde es auch nicht ok, wenn man ein Jungtier den Eltern wegnimmt egal in welcher Woche nur zugunsten des egoistischen Menschen.
Ein Tier sollte nur dann von Mensch aufgezogen werden wenn die Eltern nicht können. Und nicht weil man einen zahmen Vogel will oder Hund oder Katze oder wie auch immer.

Würde gerne mal hören wenn man das bei Menschen machen würden...hui hui hui.....

Wie gesagt: meine Meinung.

Das widerspricht meiner Meinung ja nicht im Geringsten, nicht umsonst sind wir so glücklich, daß unsere Nachzuchten Naturbruten sind.
Es geht mir eben nur darum, daß die schon vorhandenen Handaufzuchten nicht einfach gebrandmarkt werden und in eine Psychosenschublade gesteckt werden.

Grüssle aus dem Pott
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#8
Oh nein, da gebe ich dir recht....

habe hier auch eine Handaufzucht sitzen und die ist mehr Kakadu als die anderen und sehr viel viel viel selbständiger und macht alles was ein Kakadu so macht. Bis auf Babis.....grins....
Grüessli Et, Floh, Wendi,Bandit,Sina, Snowi und Noelle

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#9
Hallo,

toll geschrieben, Zebulon daumendruck. Es trifft genau das, was ich auch immer meine: Es kommt eben nicht auf die Aufzuchtform an, sondern auf das, was sie lernen und wie sie leben dürfen.

Wäre Tina in eine Einzelhaltung verkauft worden, hätte sie andere Verhaltensweisen erlernt - eben solche, die sich irgendwann für den "Einzelvogel" negativ auswirken können. Und je länger sie alleine leben, desto schwieriger wird es, sie zu verpaaren oder wenigstens zu vergesellschaften.

Ich finde es toll, dass du deine Frau zu einem Zweitvogel "überreden" konntest Zwink (aber ich bin sicher, dass du keine großen "Überredungskünste" brauchtest! bodenlach )

Danke für deine 5 Kapitel!

Viele Grüße
Susanne
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#10
(18.07.2010, 18:44 )Uhu schrieb: Wäre Tina in eine Einzelhaltung verkauft worden, hätte sie andere Verhaltensweisen erlernt - eben solche, die sich irgendwann für den "Einzelvogel" negativ auswirken können. Und je länger sie alleine leben, desto schwieriger wird es, sie zu verpaaren oder wenigstens zu vergesellschaften.

Timo konnte schon sprechen und tanzen, die Grundsteine waren schon gelegt, bevor wir ihn Zwink bekommen haben.

Willi hatte trotz seines jungen Alters auch schon ein ogottogott parat, wenn er grad wieder irgendwo abgerutscht ist.

(18.07.2010, 18:44 )Uhu schrieb: Ich finde es toll, dass du deine Frau zu einem Zweitvogel "überreden" konntest Zwink (aber ich bin sicher, dass du keine großen "Überredungskünste" brauchtest! bodenlach )

Das war kein Überreden, ich habe das als Grundvoraussetzung für die Anschaffung des ersten Vogels gemacht.
(Nur, um es nebenbei zu erwähnen, ich bin typischer Stier heimlichlach )
Und trotzdem kam die Diskussion kurz auf das Thema, daß Timo doch glücklich und zufrieden sei, und ein zweiter doch vielleicht nicht nötig sei....
sehr kurz, in dem Punkt bin ich nicht im Geringsten verhandlungsbereit.

Grüssle aus dem Pott
Alles sagten, das geht nicht.
Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht. (Hilbert Meyer)
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